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Mittwoch, 15. Juli 2026

25.000 Jahre alter Schlachtplatz von Mammuts in Niederösterreich entdeckt

Das Magazin GEO berichtete im letzten Jahr, dass Forscher in Niederösterreich einen Platz entdeckt haben, an dem Menschen vor 25.000 Jahren Mammuts geschlachtet haben. 

Skelett eines Mammuts im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale)
Skelett eines Mammuts im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale)

Ein Team von Archäologen hat im letzten Jahr nahe St. Pölten einen außergewöhnlichen Fund freigelegt: einen 25.000 Jahre alten Platz, an dem Steinzeitmenschen Mammuts gezielt erlegt und systematisch zerlegt haben. Die Entdeckung liefert neue Einblicke in Jagdstrategien und Arbeitsabläufe der eiszeitlichen Bevölkerung.

Gezielte Jagd im Tal der Perschling

Vor 25.000 Jahren zogen Mammuts regelmäßig durch die Graslandschaften im Tal der heutigen Perschling. Genau dort lauerten Steinzeitjäger, erlegten mehrere Tiere und zerlegten sie direkt vor Ort. Die Spuren dieser Aktivitäten wurden nun in Langmannersdorf entdeckt – ein Fund, der die bisherige Forschung deutlich erweitert.

Bohrungen führen zum Schlachtplatz

Das Team der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter Leitung von Marc Händel sondierte zunächst das Gelände mittels Bohrungen. Anschließend wurden sieben Grabungsschnitte geöffnet. In zwei Bereichen stießen die Archäologen auf dichte Lagen von Mammutknochen und Steinwerkzeugen. Die Funde zeigen, dass die Tiere äußerst planvoll verarbeitet wurden.

Zwei Zonen – zwei Verarbeitungsschwerpunkte

Die beiden Fundstellen liegen rund 15 Meter auseinander und weisen unterschiedliche Schwerpunkte auf:

  • Schlachtzone
    Hier wurden mindestens zwei Mammuts zerlegt. Gefunden wurden Wirbel, Langknochen, ein Unterkiefer sowie scharfkantige Steinwerkzeuge zum Zerteilen.
  • Verarbeitungszone
    In diesem Bereich liegen Überreste von mindestens drei weiteren Tieren, darunter mehrere Stoßzähne. Einige wurden bereits in handliche Stücke gebrochen, vermutlich zur Herstellung von Speerspitzen, Werkzeugen oder Schmuck. Ein markanter Kratzer diente zum Abtrennen von Fleisch.

Beide Bereiche zeigen klar unterschiedliche Tätigkeiten – vom Schlachten bis zur Weiterverarbeitung des wertvollen Elfenbeins.

Auffällige Lücke: Die Rippen fehlen

An beiden Fundstellen fehlen Rippen vollständig. Sie wurden offenbar an einem dritten, bislang unbekannten Ort weiterverarbeitet. Dieser Hinweis eröffnet neue Fragen zur Organisation der Steinzeitjäger.

Eiszeitliche Lebenswelt

Vor 25.000 Jahren lag Europa unter mächtigen Gletschern. Die Kaltzeit befand sich kurz vor ihrem Höhepunkt, die Temperaturen lagen deutlich unter heutigen Werten. Menschen teilten ihren Lebensraum mit Steppenbisons, Riesenhirschen, Rentieren, Höhlenlöwen – und Mammuts.

Historische Grabungen und neue Erkenntnisse

Der Fundplatz ist seit über 100 Jahren bekannt. Bereits 1919/20 untersuchte der Archäologe Josef Bayer das Gebiet und entdeckte zwei Siedlungsplätze mit Gruben, einer Feuerstelle und sogenannten Pfostenlöchern. Diese deuten auf Strukturen wie Gestelle oder Behausungen hin. In Langmannersdorf fanden sich jedoch keine Holzreste, sondern Verfärbungen durch Asche und senkrecht steckende Knochenfragmente – möglicherweise als Keile genutzt.

Mit einem Alter von 25.000 Jahren ist Langmannersdorf der jüngste Fundort Mitteleuropas mit einer derart hohen Konzentration an Mammutknochen.

Moderne Analysen sollen neue Antworten liefern

Das Projekt ist Teil des Forschungsverbunds „Exploring Mammut Bone Accumulations in Central Europe“. Ziel ist es, Daten aus Fundstellen in Österreich, Polen und Tschechien zu bündeln, um Jagdmethoden und Nutzung der Tiere besser zu verstehen.

Besonders viel verspricht sich das Team von DNA-Analysen aus Mammut-Backenzähnen. Die genetischen Daten könnten Aufschluss über Geschlecht, Verwandtschaft und Jagdmuster geben. So ließe sich klären, ob einzelne Tiere erlegt wurden oder ganze Gruppen. Auch die Frage, ob der Platz einmalig oder wiederholt genutzt wurde, könnte sich beantworten lassen.